Das Haar

Der gesamte menschliche Körper, mit Ausnahme der Fußsohlen, Handflächen, Brustwarzen und Lippen, ist behaart. Je nach Körperregion sind die Haare verschieden ausgebildet. Das Haar von Männern ist dichter und wächst schneller als das von Frauen. Durchschnittlich hat ein Mensch zwischen 90000 und 150000 Haaren, abhängig von Haarfarbe und Geschlecht bei einer Haardichte von im Durchschnitt 140-210 Haaren pro cm². Die durchschnittliche Haarstärke beträgt 0,07-0,08mm.

Der Haarzyklus

Durchschnittlich wachsen Haare 0,3mm an einem Tag. Für ein Wachstum von 1mm benötigen sie folglich 3 Tage, für 1cm braucht es einen Monat. Das Wachstum vollzieht sich jedoch nicht ununterbrochen ein Leben lang, sondern unterliegt den drei Phasen des Haarzyklus.

1. die Anagenphase: das Haar wird von der Kopfhaut mit Nährstoffen versorgt und wächst

2. die Katagenphase: die Versorgung wird abgebrochen und das Wachstum eingestellt

3. die Telogenphase: das Haar wird vom Gewebe gelöst und Abgestoßen

Diese drei Phasen haben nicht die gleiche Dauer, daher befinden sich verschiedene Anteile der Haare in den jeweiligen Phasen. Bei gesundem Haarwuchs befinden sich etwa 84% in der Anagenphase, 1% in der Katagenphase und 14% in der Telogenphase. Sind diese Verhältnisse gegeben, liegt ein natürliches Gleichgewicht zwischen ausfallenden und nachwachsenden Haaren vor. Die Stärke eines Haares nimmt mit seinem Alter zu.

Aufbau

Neben dem sichtbaren Haar bzw. Haarschaft selbst sind im umliegenden Gewebe zwei weitere Teile zu beachten.

  • Die Haarwurzel (von außen nicht sichtbarer Teil):
    Im unteren Bereich der Lederhaut entsteht das Haar an der Haarpapille. Im Bildungsbereich, der Matrix lagern zahlreiche Melanozyten, die Ihre Pigmente an das entstehende Haar abgeben. Die keratinreichen Hornzellen wandern nach oben und bilden dabei den Haarschaft, der sich innerhalb des Follikels zur Hautoberfläche schiebt.
  • Der Haarfollikel:
    Der Haarschaft liegt in einer länglichen Einstülpung der Oberhaut, dem Haarfollikel, an dessen unteren Ende das Haar in der Haarwurzel gebildet wird. In dem Follikel mündet eine Talgdrüse, gelegentlich auch eine Duftdrüse. Am äußeren Rand setzt der kleine Haaraufrichtemuskel an und schließlich umwickeln einige Nervenfasern den Follikel und erüllen dadurch Tastfunktionen.

Der Haarschaft/Haarstamm

Der Haarschaft oder Haarstamm bildet das von außen sichtbare Haar. Er besteht aus der proteinhaltigen Hornsubstanz Keratin. Seine Struktur lässt sich in drei Schichten unterteilen.

  • Cuticula oder Schuppenschicht. An dieser Schicht kann man immer sehr genau den Gesundheitszustand der Haare erkennen. Bei gesunden Haaren liegt die Schuppenschicht flach. Das Licht wird optimal reflektiert und das Haar glänzt.
  • Faserschicht, oder Faserstamm (lat. Cortex). Hier spielen sich alle für den Frisör relevanten chemische Prozesse ab. Der Cortex besteht aus einer großen Zahl feinster Keratinfasern, den Fibrillen. Darauf ist auch die Reißfestigkeit und Elastizität des Haares zurückzuführen.
  • Markkanal (lat. Medula). Dieser liegt im inneren des Haares. Der Markkanal ist für Aufbau und Struktur des Haares vermutlich ohne Bedeutung.

Die verschiedenen Arten der Haare

Anhand des Haarschaftes werden drei Haarsorten unterschieden.

  • Terminalhaar. Hierzu gehören Kopfhaare, Bart-, Nasen-, Ohrenhaare, Wimpern, Augenbrauen und Schamhaare. Terminalhaare sind hormonabhängig. Der Querschnitt eines Terminalhaares zeigt deutlich die 3 eben erwähnten Schichten.
  • Vellushaar. Alle anderen Härchen der Körperoberfläche werden als Vellushaare bezeichnet. Sie sind dünner und kürzer und dem Haarschaft fehlt der Markkanal. Oftmals kann durch eine Behandlung mit Medikamenten nur dieses Haar zum Nachwachsen gebracht werden.
     
  • Lanugohaare (Flaumhaare). Die feinen Härchen von Frühgeborenen